Stolpersteine – Stellungnahme

26.1.26:

Sehr geehrter Herr Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl!
Nachdem die Situation rund um die Ablehnung der Jahresförderung für das Projekt Stolpersteine des Vereins für Gedenkkultur in Graz in verschiedenen Kontexten diskutiert wird, wollen wir uns aus Sicht der steirischen Kulturlandschaft zu Wort melden.

Erstens sei festgehalten, dass die Entscheidung zur Ablehnung einer Jahresförderung ein fatales Zeichen setzt. Die Verlegung der Stolpersteine ist ein wichtiger Akt der Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine sind das weltweit größte dezentrale Mahnmal, mit derzeit 116.000 (!) Steinen, die der Künstler Gunter Demnig in über 30 europäischen Ländern verlegt hat. Gerade in Österreich, das sich einer Auseinandersetzung mit seiner Tätergeschichte lange verwehrt hat und dies zum Teil immer noch tut, sind erinnerungskulturelle Projekte im öffentlichen Raum besonders wichtig. Die Notwendigkeit der Sichtbarmachung wird umso größer, da wir gerade ein Wiedererstarken des nationalsozialistischen Denkens und einen gefährlichen Anstieg von antisemitischen Vorfällen erleben. Für die jüdischen Mitbürger:innen bedeutet die Ablehnung eine weitere Verunsicherung.

Zweitens wollen wir die Richtlinien zur Sprache bringen, die zur Ablehnung des Antrags auf Jahresförderung seitens der Kulturabteilung geführt haben. Unserer Einschätzung nach sind diese mit der Realität der Kulturarbeit kaum zu verbinden. Es gibt eine ganze Reihe an kulturellen Initiativen, die seit Jahren langfristig und qualitätsvoll arbeiten, sich nun aber mit einer Ablehnung einer Jahresförderung aus formellen Gründen konfrontiert sehen. Projekte wie die Verlegung von Stolpersteinen erfordern längere Arbeitsprozesse und vor allem viel Recherchearbeit im Hintergrund. Für die laufende Organisation braucht es, wie in vielen anderen Projekten, Planungssicherheit und faire Arbeitsbedingungen mittels Anstellungen. Auf Basis der kurzfristigen Förderung einzelner Projekte ist eine solche Arbeit schlicht nicht zu erbringen.

Drittens hat diese Vorgangsweise einen Ansturm auf Projektförderungen zur Folge. Aus der Erfahrung der letzten Monate heraus haben wir große Zweifel, dass für alle gerade abgelehnten, aber förderwürdigen Projekte tatsächlich die entsprechenden Mittel aus diesen Töpfen vorhanden sind. Einige Initiativen, die zuerst eine Ablehnung der mehrjährigen Förderungen bekommen haben, wurden auf eine einjährige Förderung vertröstet, halten nun abermals eine Ablehnung in den Händen und wissen nicht, wie es weitergeht. Sie können sich vorstellen, dass das für eine Verunsicherung im kulturellen Feld sorgt.

Wir fordern Sie auf, die Ablehnung der Förderung für die Verlegung der Stolpersteine rasch zu überdenken und sich der otwendigkeit von Erinnerungsarbeit an die Gräuel des Nationalsozialismus bewusst zu sein – und nicht nur das.

Letztendlich tragen Sie als Kulturlandesrat nicht nur die Verantwortung für solche fatalen Förderentscheidungen, sondern auch für eine Vorgangsweise, die auf unzureichenden Richtlinien fußt. Da sehen wir dringenden Handlungsbedarf.

Ihr #kulturlandretten